Ein Gespenst geht um…

Blog_Geist_kleinDer Vorstand der Deutschen Annington scheint noch nicht mitbekommen zu haben, dass Halloween eigentlich vorbei ist. Er spukt durchs Unternehmen und spricht Drohungen aus. Was ist geschehen?
Tarifvertrag für alle! Das war die einhellige Forderung der Beschäftigten im Konzern Deutschen Annington. Ob auf der Betriebsversammlung des Kundenservice, des Immobilienservice oder der DTGS. Überall wurde die Forderung nach einem Tarifvertrag für alle Beschäftigten laut. Durch die Unternehmenspolitik der letzten Jahre versucht die Konzernführung Schritt für Schritt aus der Tarifbindung auszusteigen. Mit Erfolg. Derzeit gilt nur noch für circa 20% der Beschäftigten in Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen der Tarifvertrag der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Kolleginnen und Kollegen sitzen teilweise in einem Büro, machen den gleichen Job, aber der eine kann jeden Tag früher Feierabend machen, bekommt dabei mehr Geld, hat mehr Urlaub, … und der andere nicht! Und laut Führungsebene soll das auch so ungleich und willkürlich bleiben.

Diese Ungerechtigkeiten gefallen weder den Tarifangestellten noch den tariflos Beschäftigten und so haben sie sich auf den Weg gemacht, sich in ver.di zu organisieren und Stärke im Betrieb aufzubauen. Das hat mittlerweile auch der Arbeitgeber mitbekommen. Und was machen Arbeitgeber in einer solchen Situation üblicherweise? Richtig, sie versuchen die Beschäftigten einzuschüchtern und drohen ihnen. Da fallen Sätze wie „Sägen Sie nicht an dem Ast, auf dem Sie sitzen!“ oder „Ich kann persönlich nicht verstehen, dass Ihnen Geld wichtiger ist, als ein sicherer Arbeitsplatz!“ Es wird also mit Arbeitsplatzabbau, Outsourcing und Ähnlichem gedroht. Diese Reaktionen sind bekannt aus anderen Beispielen, in denen Beschäftigte anfangen, sich zu organisieren und stärker zu werden. Auch die Pauschalaussage: „Ich verhandel nicht mit ver.di!“ ist nicht unbekannt.

Spannend wird es allerdings dann, wenn der Arbeitgeber sich innerhalb weniger Wochen selbst widerspricht und damit offensichtlich wird, dass es nur darum geht, ein paar Geister herauf zu beschwören.
So hat zum Beispiel das Vorstandsmitglied der Deutschen Annington, Klaus Freiberg, den Ruhrnachrichten gegenüber gesagt: „Wir setzen konsequent auf Insourcing“ und in einer Pressemitteilung wurde veröffentlicht: „[…]wird der Vorstand der Hauptversammlung eine Dividendenzahlung in Höhe von 0,78€ pro Aktie vorschlagen, was […] eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 11,4 % bedeutet.“
Das komplette Gegenteil zu den Drohungen gegenüber den Beschäftigten. Und auch die Pauschalaussage zu ver.di als Verhandlungspartner wirkt recht schwach, wenn man bedenkt, dass der Arbeitgeber selbst um Tarifverhandlungen mit ver.di bittet wenn es sein eigenes Interesse bedient, z. B., wenn mal wieder Umstrukturierungen oder Fusionen anstehen, und er dann mit ver.di über einen Tarifvertrag zur Betriebsratsstruktur des Unternehmens verhandelt.

Es ist also relativ einfach zu entlarven, dass der Arbeitgeber nur eins im Sinn hat: er will verhindern, dass die Beschäftigten sich organisieren. Und warum will er das? Klar: Er hat kein Interesse daran, dass die Beschäftigten Stärke im Betrieb aufbauen! Es ist für ihn einfacher, Einzelne unter Druck zu setzen, als sich mit einer geschlossenen Belegschaft auseinander setzen zu müssen.
Wenn der Arbeitgeber jetzt schon so reagiert, wo Kolleginnen und Kolleginnen beginnen, aktiv zu werden, wie wird er erst reagieren, wenn die Beschäftigten noch stärker werden?
Ganz einfach: er wird mit ihnen über ihre Forderungen reden müssen!
Es liegt jetzt also an den Kolleginnen und Kollegen den Geist zu vertreiben und die Stärke im Betrieb aufzubauen, die sie brauchen, um ihren Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen auffordern zu können.

Ein Flugblatt zum Thema gibt es unter diesem link.

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