Unglaublich! AGV will nicht über Entgelterhöhungen verhandeln

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
die Corona Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Neben den Ängsten vor der Krankheit und deren Auswirkungen auf euch und eure Familien, plagen viele Menschen auch die Angst vor einer ungewissen Zukunft.

Viele eurer Mieter sind in Kurzarbeit oder davon bedroht, benötigen eure Hilfe im Umgang mit sozialen Härten und der Fragen zu Mietstundungen etc. Eure Arbeitgeber und der Gesetzgeber geben euch dazu die nötigen Instrumente in die Hand. Die Gewissheit seine Wohnung und damit seinen Lebensraum nicht zu verlieren beruhigt die Menschen und ist auch das Ergebnis eures Einsatzes.

Das ist im Moment noch viel wertvoller, da ein großer Teil von euch im Homeoffice ist, mit weniger Kontakt zu Kollegen und Mietern im Büro oder im Schichtbetrieb arbeiten und somit noch viel mehr leisten als ihr es bis dato schon getan habt.

Umso fassungsloser macht uns daher der Versuch des Arbeitgeberverbandes der Immobilienwirtschaft (AgV) aus dieser Situation Kapital für seine Unternehmen zu schlagen. Am 11. Mai 2020 hat uns der AgV darüber informiert, bis zum 30. Juni 2021 keine Entgelterhöhung bezahlen zu wollen und stattdessen einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit unter dem Deckmantel der Arbeitsplatzsicherung zu vereinbaren. Dieses Vorgehen ist für ver.di und IG BAU nicht akzeptabel.

Am 13. Mai 2020 haben die Tarifkommissionen von ver.di und IG BAU jeweils in einer Telefonkonferenz darüber beraten und den Arbeitgeberverband aufgefordert umgehend mit uns in die Tarifverhandlungen zum bereits gekündigten Vergütungstarifvertrag einzusteigen. Entsprechende Terminvorschläge wurden unterbreitet.

Die Tarifkommissionen von ver.di und IG BAU

17 Gedanken zu “Unglaublich! AGV will nicht über Entgelterhöhungen verhandeln

  1. Ich bin seit mehr als 30 Jahren nun in der Wohnungswirtschaft beschäftigt. Noch vor etwa 20 Jahren gehörte diese Branche zu den „Besserverdienenden“. Das war zu einer Zeit, als Verdi noch nicht für uns zuständig war. Damals wurden wir von der HBV und IG Baustein-Erden vertreten.
    In den letzten 20 Jahren sieht das tariflich ziemlich exakt so aus, dass die Lohnerhöhungen sich immer an der Lohnentwicklung des deutschen Durchschnittsverdieners orientieren. Damit meine ich den jährlichen Bruttoverdienst der für genau einen Rentenpunkt ausreicht. Geht der 2% rauf, gehen wir auch 2% rauf…
    Nun könnte man sagen,“ das ist doch okay“! Fakt ist jedoch, dass Ich früher mit meinen Freunden und Bekannten in der Auto-,Metall-,Chemie- und IT-Brache mithalten konnte. Heute jedoch haben mich diese längst verdienstmäßig abgehängt. Der durchschnittsverdienst der Deutschen errechnet sich eben aus allen Berufsgruppen und die Wohnungswirtschaft hat – wie ich meine – viel eingebüßt.
    Schade! Aber auf meine alten Tage (57) werde ich weder einen anderen Job suchen, noch aus der Gewerkschaft austreten.
    Noch eine Anmerkung zum Schluss.
    Viele meiner ehemaligen Kollegen kamen noch in den Genuss einer vom Staat unterstützten Alterszeitregelung. Diese staatlichen Subventionen gibt es leider nicht mehr. Mein Arbeitgeber (ein ehemals gemeinnütziges Wohnungsunternehmen) bietet mir leider keine Alternativen.
    Vielleicht kann man ja im Zuge der Tarifverhandlungen mal mit dem Arbeitgeberverband über ein zukünftiges Modell nachdenken. Ansonsten arbeite ich halt noch 10 Jahre ….

  2. Und der Durchschnittsverdienst der Rente für einen Rentenpunkt steigt wie folgt:

    2019 = 38.901 €
    2020 = 40.555 €

    Das ist eine Differenz von 4,25 % mehr.

  3. Es gibt in der Wohnungswirtschaft null Probleme mit der Liquidität, wenn dann ist das sicher nicht auf die Corona-Krise zurückzuführen. Schamlose Begründung des AGV, die Metaller haben über Jahre hinweg deutlich bessere Tarif-Ergebnisse gehabt und jetzt sagt man wie in anderen Tarifen auf Beschäftigungssicherung setzen, statt Gehaltserhöhung. Es gibt wohl kein Wohnungsunternehmen, das Corona bedingt kündigen musste.

  4. Die Vorlage des AGV ist schlichtweg eine Frechheit und eine Beleidigung für tausende von Arbeitnehmern. Es ist darüberhinaus schamlos wie die gegenwärtige Situation ausgenutzt wird, um in dieser Lage Stimmungen zu schüren. Viele Wohnungsunternehmen werden dieses Jahr aufgrund von zurückstellten Investitionen und einem deutlichen Rückgang der Fluktuation Rekordgewinne einfahren. Gleichzeitig wurden und werden doch gerade viele Mitarbeiter bei Wohnungsgenossenschaft etc. durch die Krise zusätzlich stark belastet , weil sie für viele ihrer Kunden in jeder Lebenslage „der Ansprechpartner“ sind und gerade in der sozialen Betreuung ihrer Kunden von den Mitarbeitern in der Wohnungswirtschaft zurzeit Höchstleistung erbracht werden .
    So sollte neben einer deutlichen Tariferhöhung auch zusätzlich über eine Sonderprämie (ähnlich wie im Pflegebereich) für die Mitarbeiter in der Wohnungswirtschaft verhandelt werden .
    der Vorstoß des AGV ist unakzeptabel. Wir müssen zusammen stehen !!!

  5. Mich würde Mal interessieren auf welcher Grundlage der AGV argumentiert. Verzichten seine Mitglieder auf Mieterhöhungen, gibt es außerordentliche Kosten aufgrund von Corona? Falls dem so ist, sind das evtl. Politische Entscheidungen? Lieber AGV, so haltet ihr nur die Mitarbeiter die auch so schon kein Land sehen, die flexiblen „fitten“ Mitarbeiter suchen sich etwas lukratives als die Wohnungswirtschaft. Das Verhalten des AGV ist unsozial und zynisch.

  6. Sehr guter Beitrag von Michael. Er bringt die Sache klar auf den Punkt .

    Gibt es von unserer Seite bereits Überlegungen eine Sonderprämie in den abstehenden Verhandlungen zu fordern ? Meines Wissens wäre eine solche Prämie doch sogar steuerfrei.

    Ich hoffe wir bleiben in den Verhandlungen standhaft und knicken nicht wieder so schnell ein.
    Ein Abschluss von min. 5,2 % (für 12 Monate) muss dieses Mal drin sein .

  7. Der AgV hat ja wirklich Humor!

    Aber im ernst, die Vorlage des des AgV ist für mich unseriös und führt zu einem großen Vertrauensverlust .

    Der AgV betreibt hier groben Populismus.

    So sollten Partner nicht miteinander umgehen .

  8. Ich bin absolut fassungslos und halte den Vorstoß vom AGV auch gesellschaftspolitisch für äußerst bedenklich.

    Der Vorstoß vom AGV sollte unter den Arbeitnehmern in der Wohnungswirtschaft viel mehr publik gemacht werden .
    Die Gewerkschaften würden mit Sicherheit einen deutlichen Mitglieder Zulauf erfahren.

    Der AGV hat hier sämtliche Spielregeln verletzt und sich in jeder Form disqualifiziert .

    Gibt es schon eine Reaktion auf unsere Terminvorschläge ?

    • Wir haben den Arbeitgeberverband zu Verhandlungen aufgefordert und warten nun auf eine entsprechende Antwort. Sobald es in dieser Angelegenheit etwas Neues gibt, werdet ihr es hier erfahren.

  9. Bitte Verdi, in der Bauhauptbranche werden 6,8 % seitens der IG Bau gefordert plus 230 €.
    Ich würde mir eine ähnliche Forderung in Zusammenarbeit mit der IG Bau eurerseits wünschen.
    Notfalls müssen wir halt auch mal auf die Straße und mit Streik drohen.. Aber dauernd nur Rentenausgleich ist keine Lösung!

  10. Ich sehe in unserem ca. 8000VE Unternehmen keine großen Auswirkungen. Die Schwankung in den Zahlen spiegelt die Schwankungen der letzte Jahre wieder.

  11. Bin schon überrascht, dass die Arbeitgeber nichts zusätzlich zahlen wollen. Bei uns im Unternehmen gibt es gerade einmal eine Handvoll Menschen, die wegen der vermeintlichen Corona-Pandemie ihre Miete nicht vollständig zahlen können. Ansonsten läuft alles ganz normal.

    Für mich ein billiger Trick der Arbeitgeber vor dem Hintergrund dieser vermeintlichen Pandemie Geld zu sparen!

  12. Wie fast überall im Leben ist es auch hier eine Frage der Macht. Ich kenne den Verdi Organisationsgrad in der Wohnungswirtschaft nicht, denke aber, dass er nicht besonders hoch ist. Und dann hat man eben auch keine Macht, etwas durchzusetzen. Natürlich ist die Haltung der Arbeitgeber eine Unverschämtheit gegenüber ihren Mitarbeitenden
    und zeugt von Gering- anstatt von Wertschätzung für die geleistete Arbeit. Mir erschließt sich auch nicht, wo in der Wohnungswirtschaft Kurzarbeit ein Thema ist. Der Laden läuft doch sicher überall weiter. Mieten und Hausgelder einnehmen, Betriebskosten abrechnen, sich um die Liegenschaften kümmern usw. . Im Gegenteil, da und dort wird es zusätzliche, coronabedingte Mietausfälle geben und die lösen bei den Mitarbeitenden Mehrarbeit aus.
    Es gibt nach meinem Eindruck einen erheblichen Fachkräftemangel auch in der Wohnungswirtschaft. Und der wird durch eine m.E. unbegründete „Lohnzurückhaltung“ nicht eben kleiner.

  13. Guten Morgen,

    hat der AGV sich denn jetzt mal zu einer Antwort herabgelassen oder zumindest einem Termin zugestimmt?

    LG Ingo

    • Guten Morgen,
      inhaltlich hat sich der AGV bisher nicht geäussert. Er hat allerdings mitgeteilt, dass er unsere Vorstellungen in einer Sitzung am 03.06. zur Diskussion stellen werde und sich danach inhaltlich äussern werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.